Hello Hasselblad – Goodbye Leica

Nach sieben Jahren voller Leica-Enthusiasmus habe ich mich entschlossen den roten Punkt gegen ein flottes H einzutauschen. Der eine oder andere war schon über die Entscheidung ziemlich verwundert. Zwei Dinge waren für mich ausschlaggebend: Erstens der an den Mitbewerbern bestätigte Eindruck, dass bei Leica technischer Stillstand herrscht und zweitens, dass das Rauschverhalten im Low-Light-Bereich, bemessen an dem Preis, eine mittlere Katastrophe ist. Also habe ich mal im Internet recherchiert und kurzerhand meine komplette Leica-Ausrüstung gegen eine Hasselblad X1D mit zwei Objektiven ausgetauscht. Einmal das XCD 45 und dann noch das XCD 90. Auch wenn es dieses Jahr weitere Objektive aus der Reihe geben wird, ist das mehr als genug. Aus Kleinbildsicht sind das übrigens ein 35er und ein 70er.

Jetzt fragt sich jeder, ob Mittelformat und Street Photography überhaupt verträgt. Die Antwort ist aus meiner Sicht definitiv Ja. Ich mag Gesichter und der Workshop im November letzten Jahres von Eric Kim hat mich bestärkt auf Menschen zu zugehen und zu fragen, ob ich ein Portrait von ihnen machen dürfte. In acht von zehn Fällen ist die Antwort ja. Ich mache eher Street Portraits und weniger Street Photography im Allgemeinen. Da macht die X1D mehr als Sinn.

Zurück zur Kamera. Die Verarbeitung und Haptik ist nobelpreisverdächtig. Kein Wunder, kommt ja auch aus Schweden. Das Gehäuse liegt so dermaßen super in der Hand, dass man über einen Thumps Up, oder über einen zusätzlichen Griff, wie es bei Leica üblich ist, nie nachdenken würde. Die Hasselblad X1D bekommt man übrigens inklusive GPS und WLAN. Das nenne ich mal zeitgemäß. Die Größe und das Gewicht der Hasselblad X1D ist für eine Mittelformat-Kamera sensationell. Kleiner als die Fuji-Mittelformat und etwa genauso groß wie eine Leica SL. Das ist eine Mittelformat-Kamera im Kleinbildgehäuse. Besser geht’s wirklich nicht. Seit ich auf der Photokina 2016 war und die Leica SL und die Hasselblad X1D in der Hand hatte, war die Entscheidung klar: Eines Tages wird’s die X1D. Egal was die anderen sagen.

Damit zu fotografieren bedeutet allerdings schon einiges an Umstellung. So ist zum Beispiel der elektronische Viewfinder für einen Brillenträger eine echte Herausforderung. Der springt nur dann an, wenn die Augenmuschel zu einem bestimmten Grad verdunkelt ist. Logisch, aber eine echte Umstellung, wenn man sieben Jahre lang eine Leica M verwendet hat. Auf die Situation für Brillenträger wird meines Wissens nach nie eingegangen. Möchte man Fotos in Bodennähe machen, wäre ein schwenkbares Display oder ein änderbarer Sucher echt sinnvoll und wünschenswert. Was ich allerdings gut finde ist, dass man die Dioptrien für den Sucher einstellen und so auf die Brille verzichten kann. Schön, …aber dann sehe ich den Rest der Welt nicht mehr.

Der Autofokus der X1D ist bestimmt nicht der schnellste auf der Straße, aber brauchbar. Früher habe ich auch die eine oder andere interessante Szene nicht in die Kiste bekommen, weil ich zu schlecht fokussiert hatte. Das hat sich dann zum Schluss mit Zonen-Fokussierung gebessert. Das wird auf jeden Fall noch ein X1D-Thema werden.

Die Batterie ist ein Thema für sich. Ich hoffe, dass mein Street-Kumpel Klaus recht hat. Nach fünf bis sechsmal voll aufladen, hat das Akku seine echte Kapazität. Am ersten Tag hatte ich zirka hundert Fotos gemacht und mein Akkus war auf fünfzig Prozent. Das war bitter und das Ersatz-Akku wurde immer noch nicht geliefert. Also was macht man in solchen Fällen zwischen Weihnachten und Neujahr? Antwort: Live View aus, Monitor auf Minimum stellen und so wenig wie möglich Bilder unterwegs anschauen. Das geht alles eigentlich noch, aber wenn man im manuellen Modus ist und an Blende und Belichtung ständig rumschraubt, wird’s mit dem Akku doch mal etwas eng. Ich denke mal, dass das nur in den Anfangszeiten so ist. Später werden ich mir meine Lieblingsprofile auf die Funktionstasten legen und das hat sich das mit den manuellen Herumschrauben.

Jetzt mal zu den Fotos und hierzu auch nur ein Wort: Hammergeil! Das mit dem Dynamikumfang und das Rauschverhalten kann selbst ich als Laie sehen. Sicherlich muss dann auch mal endlich die Bildkomposition stimmen, aber jetzt ist erst einmal die Phase die Kamera kennenzulernen. Ich mag es auf der Straße Menschen anzusprechen und zu fragen, ob ich ein Portrait von ihnen machen darf. Ich hatte hier im Blog schon an anderer Stelle gesagt, dass ich sehr auf Deeskalation bedacht bin und mit der Frage auch das Angebot verbinde diese Fotos an diejenigen zu zuschicken. Die Detailliertheit und Grundschärfe durch den Autofokus ist phänomenal. Genauso wie die Gesamtdynamik der Portraits (siehe nachfolgende Galerie). Auch hier hat die Medaille wieder zwei Seiten. Ein Portrait aus der Hand sollte nach meiner, zugegebenen kurzen Erfahrung, mindestens bei einer 1/320 Sekunde gemacht werden. Ansonsten gibt es Mikroverwacklungen und die Detailansicht ist dann nicht mehr so schön. Für Web-Fotos spielt das keine Rolle. Da ich aber Fotos auch ausdrucke, achte ich darauf, dass das nicht passiert. Naja, meine Lernkurve ist erst am Anfang. Jetzt werden ich erst einmal schauen, wie die Fotos aussehen, wenn die ISO-Zahl runter geht.

Die Hasselblad muss man definitiv kennenlernen und ein Video von irgendeinem YouTuber, der sich die Kamera mal für ein Wochenende mal ausgeliehen hat und dann wieder zurück geben musste, ist aus meiner Sicht sowieso sehr zweifelhaft und diese Unboxing-Videos sind mir echt auf die Nerven gegangen. Sorry für die Ausdrucksweise. Ich hätte sagen müssen: …waren sehr irritierend. Von nun ab gibt’s nur noch Hasselblad-Fotos auf meiner Seite und das finde ich geil.

Adieu Leica.

Hasselblad HQ

Fotos

Share

Total
0

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

We have placed cookies on your computer to help make this website better. Read the cookies policy
yes, I accept cookies
X