Mondfinsternis fotografieren: So gelingen Bilder des Blutmonds

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(Bild: Hans Sterr)

Reiz und Herausforderung für Fotografen: Die Mondfinsternis am 27. Juli 2018 wird die längste des Jahrhunderts sein. Genug Zeit für gute Bilder.

Die Mondfinsternis am 27. Juli 2018[1] bringt gleich drei günstige Voraussetzungen mit: Ihr Beginn ist schon bei Mondaufgang sichtbar. Für etwa acht Minuten steht bei Mondaufgang sogar die Sonne noch über dem Horizont. Und nicht zuletzt: Die Totalität, also die vollständige Abdunklung als “Blutmond”, wird mit 103 Minuten die absolut längste in diesem Jahrhundert sein. Fotografen haben also genügend Zeit, gute Bilder zu machen. Tipps, wie Sie die Mondfinsternis erfolgreich fotografieren, haben wir für Sie zusammengestellt.

Blutmond fotografieren – den richtigen Standort wählen

ORIONmedien GmbHDer Verlauf für Süddeutschland und die Schweiz, wo die Mondfinsternis besser zu sehen sein wird. Noch besser wird es in Österreich. (Bild: ORIONmedien GmbH)

Erste Aufgabe ist, sich einen geeigneten Standort zu suchen. Während in den Städten der Mondaufgang am Horizont noch relativ gut fotografierbar ist (schon wegen der oben genannten Sonnen-Restbeleuchtung), schafft der hohe Streulichtanteil der Stadtbeleuchtung beim Fotografieren des Blutmonds denkbar schlechte Bedingungen. Außerdem verfärben Straßenlampen das Nachtlicht gelblich. Besser ist es deshalb, sich möglichst dunkle Orte außerhalb und weit entfernt von Siedlungen zu wählen.

Wichtig ist ein guter Standort mit freier Sicht nach Osten bis Süden. Der Mond wird in unseren Breiten etwa bei 120 Grad aufgehen. Bei der Planung des Fotostandorts ist das nahezu selbsterklärende Tool “The Photographers Ephemeris” hilfreich. Mittlerweile ist es auch auf deutsch als Android[2]– und iOS[3]-Version verfügbar. Mit kleinen Einschränkungen gegenüber der App kann man es auch kostenlos als Web-Version[4] nutzen. Das Tool zeigt für den jeweiligen Standort zusätzlich die Sonnenuntergangs- und Mondaufgangszeiten.

Umgebung mit einbeziehen

Die interessantesten Mondfotos entstehen, wenn sich vor dem Erdtrabanten noch ein Objekt befindet: Eine Kirche auf freiem Feld, eine Bergspitze, eine Burganlage oder ähnlich Prägnantes. Damit der Mond im Verhältnis zum Vordergrund beeindruckend groß erscheint, entfernt man sich so weit vom Objekt, wie die Brennweite es zulässt: Der Mond verändert in der Abbildung seine tatsächliche Größe nicht und wirkt er in der Relation zum abgebildeten Objekt groß, und zwar umso größer, je weiter man vom Objekt entfernt ist. Befindet man sich näher am Objekt, geht der Effekt zunehmend verloren. Außerdem wird man bei weiterer Annäherung wegen der Auswirkungen der hyperfokalen Distanz Unschärfen entweder am Objekt oder am Mond in Kauf nehmen müssen.

Geeignete Ausrüstung für Mondfotografie

Große Brennweiten können das Fotografen-Budget enorm belasten. Eine Alternative sind Telekonverter, die Brennweite schon vorhandener Objektive vergrößert. Die Geräte mit elektrischer Verbindung zur Kamera sind schon für deutlich unter 200 Euro zu haben. Die Brennweitenvergrößerung geht allerdings zulasten der Lichtstärke: Ein 200 Millimeter Objektiv mit einer Blende von f/2.8 bietet mit einem 2-fach Telekonverter eine Brennweite von 400 Millimetern, hat<br /> aber nur noch eine Blende von f/5.6. Einen Test zu Telekonvertern finden Sie in Ausgabe 04/2018 der c't Digitale Fotografie.Große Brennweiten können das Fotografen-Budget enorm belasten. Eine Alternative sind Telekonverter, die Brennweite schon vorhandener Objektive vergrößert. Die Geräte mit elektrischer Verbindung zur Kamera sind schon für deutlich unter 200 Euro zu haben. Die Brennweitenvergrößerung geht allerdings zulasten der Lichtstärke: Ein 200 Millimeter Objektiv mit einer Blende von f/2.8 bietet mit einem 2-fach Telekonverter eine Brennweite von 400 Millimetern, hat aber nur noch eine Blende von f/5.6. Einen Test zu Telekonvertern finden Sie in Ausgabe 04/2018 der c’t Digitale Fotografie.

Für die Mondfotografie sind einige Ausrüstungsbestandteile unabdingbar. Erste Anforderung ist eine ausreichende Brennweite – interessant wird es überhaupt erst ab einer verfügbaren effektiven Brennweite von 300 Millimetern aufwärts. Für APS-C-Kameras mit “Verlängerungsfaktor” von 1,5 brauchen Sie also mindestens ein 200-Millimeter-Objektiv. Wer nicht über entsprechende Brennweite verfügt, kann sich halbwegs günstig mit Telekonvertern behelfen wie sie c’t Fotografie in Ausgabe 04/2018[7] getestet hat. Zu berücksichtigen ist dabei aber immer, dass dies auf Kosten der Blende und damit der Lichtstärke geht. Und nur bei teuren Kameras wird der Autofokus noch bis f/8.0 funktionieren, sonst nur bis f/5.6.

Eine weitere unabdingbare Anforderung ist ein stabiles Stativ mit gutem Stativkopf. Lassen sich vom Mondaufgang wegen des hohen Restlichts theoretisch auch noch Fotos aus der Hand machen, so gilt das für spätere Phasen der Mondfinsternis nicht mehr. In der Phase der Totalität ist dann so wenig Restlicht vorhanden, dass sich ein verwacklungsfreies und damit ein scharf abgebildetes Mondfoto ohne Zuhilfenahme des Stativs nicht mehr realisieren lässt. Das Stativ sollte im Zweifel noch mit Zusatzgewichten beschwert werden, so dass sich jede Eigenbewegung oder Vibration ausschließen lässt.

Zugunsten der Verwacklungsfreiheit empfiehlt sich neben einem stabilen Stativ auch die Nutzung eines kabelgebundenen oder Funk-Fernauslösers. Viele aktuelle Kameramodelle mit WLAN oder Bluetooth lassen sich außerdem dank der entsprechenden App auch mit dem eigenen Smartphone fernsteuern. Dazu sollten Sie den Selbstauslöser der Kamera erwägen. Bei Spiegelreflexkameras vermeidet die Spiegelvorauslösung außerdem störende Schwingungen durch den klappenden Spiegel.

Fotografischen Einstellungen für die Mondfinsternis

Der Mond bewegt sich am Firmament überraschend schnell. Den Blutmond erfolgreich zu fotografieren, erfordert deshalb einigermaßen kurze Verschlusszeiten – eine Anforderung, die diametral zur verfügbaren Lichtmenge steht. Man ist versucht, die Belichtungszeit zu verlängern, und am Kamerabildschirm erscheint der Mond zunächst auch halbwegs scharf. Am großen Monitor wird man dann über die mangelnde Schärfe sicher enttäuscht sein.

Das Foto zeigt die Mondfinsternis 2015 als &quot;Blutmond&quot;. Die nur noch geringe Lichtmenge erforderte eine entsprechende Anpassung der Parameter. Die hier gewählte Belichtungszeit von einer Sekunde war für eine scharfe Abbildung allerdings schon zu lang.Das Foto zeigt die Mondfinsternis 2015 als “Blutmond”. Die nur noch geringe Lichtmenge erforderte eine entsprechende Anpassung der Parameter. Die hier gewählte Belichtungszeit von einer Sekunde war für eine scharfe Abbildung allerdings schon zu lang. (Bild: Hans Sterr)

Verschlusszeit: Als Faustregel gilt: Keine Belichtungszeit länger als eine Sekunde geteilt durch ein Zehntel der Brennweite. Bei 300 Millimetern wäre so 1/30 s das Maximum, bei 500 Millimetern entsprechend 1/50 s. Die im Beispielbild (rechts) gewählte eine Sekunde ist definitiv zu lang, wie man an den Unschärfen erkennen kann. Jede mögliche Verkürzung der Verschlusszeit verhilft zu schärferen Fotos. Vor allem bei Mondaufgang wird man ohnehin noch sehr kurze Verschlusszeiten erzielen können.

Blende: Die Blende des Objektivs sollte so weit wie möglich geöffnet sein. Bei Objektiven, die bei Offenblende zu Schärfeverlusten neigen, wird entsprechend etwas abgeblendet. Der Schärfeabfall am Rand bleibt unberücksichtigt, da der Mond das zentrale Motiv ist.

ISO-Empfindlichkeit: Bei schwachem Licht wird nach und nach die ISO-Empfindlichkeit erhöht, um angemesse kurze Verschlusszeiten zu erreichen. ISO-Stufen bis 3200 und möglicherweise sogar darüber können nötig werden. Ob die Kamera unter solchen Bedingungen noch akzeptable Bildqualität liefert, muss jeder für sich selbst wissen und entscheiden. Wer im Rohdatenformat arbeitet, kann in der nachträglichen Bildbearbeitung das Bildrauschen noch halbwegs entfernen. Ein unscharfes Bild bekommen Sie so aber auch nicht mehr scharf. Der Autor empfiehlt daher höhere ISO-Empfindlichkeiten zugunsten kürzerer Verschlusszeiten zu wählen.

Fokussieren: Viele Objektiv-/Kamera-Kombinationen können unter den schwachen Restlichtbedingungen der Totalität nicht mehr fokussieren. Zwingend ist deshalb, dass man mit der entsprechenden Kombination bei noch gutem Licht die Unendlich-Einstellung mit dem Autofokus findet und sich merkt, um dann bei schwachem Licht die korrekten manuellen Einstellungen vornehmen zu können. Eine LiveView-Funktion mit der Möglichkeit, den Bildausschnitt zu vergrößern und so manuell scharf zu stellen, kann hier ebenfalls hilfreich sein.

In eigener Sache: Wer sich dem Autor am Freitag zum Fotoworkshop Mondfinsternis anschließen möchte, erreicht ihn unter [email protected] (Hans Sterr) /


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http://www.heise.de/-4119683

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[1] https://www.heise.de/meldung/Laengste-Mondfinsternis-des-Jahrhunderts-am-Freitag-auch-ueber-Deutschland-4119749.html
[2] https://play.google.com/store/apps/details?id=com.crookneckconsulting.tpeandroid&amp;utm_source=photoephemeris.com&amp;utm_medium=web&amp;utm_content=site&amp;utm_campaign=PartBadge&amp;pcampaignid=MKT-AC-global-none-all-co-pr-py-PartBadges-Oct1515-1
[3] https://itunes.apple.com/de/app/the-photographers-ephemeris/id366195670?mt=8&amp;ign-mpt=uo%3D4
[4] https://www.photoephemeris.com/tpe-for-desktop
[5] https://www.heise.de/foto/bilderstrecke/bilderstrecke_4119812.html?back=4119683
[6] https://www.heise.de/foto/bilderstrecke/bilderstrecke_4119812.html?back=4119683
[7] https://shop.heise.de/katalog/telekonverter-vs-crop
[8] mailto:[email protected]

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